11 August 2006

Wieder mehr koksende 20-Minuten-Leser

Heute auf der Frontseite:


Tönt schlimmer als es ist. Denn 20 Minuten hat für die Umfrage nicht alle Raver befragt, sondern nur die Leser der 20-Minuten-Online-Ausgabe (auch Beckenpisser oder Experten genannt). Dabei ist 20 Minuten zu erstaunlichen Resultaten gelangt (S. 20 oder online):

Fast 100 Prozent der partybesuchenden 20-Minuten-Leser kiffen



Der Anteil an Partys koksender 20-Minuten-Leser hat sich seit 2004 von 56 auf 64 Prozent erhöht.




58 Prozent der 20-Minuten-Leser mischen Drogen an Partys



20 Minuten-Leserinnen konsumieren mehr Drogen als 20-Minuten-Leser



Die vollständige 20-Minuten-Leserstudie gibts hier

Folgende Suggestivfragen habe ich an den wissenschaftlichen Leiter der 20-Minuten-Drogenumfrage:
  • Wieso meinen Sie, dass die Leser von 20-Minuten, die freiwillig einen Online-Fragebogen ausfüllen, in irgendeiner Weise die Gesamtgesellschaft oder auch die Streetparade-Besucher repräsentativ vertreten?
  • Wieso glauben sie, dass man die Achsen bei Säulendiagrammen nicht beschriften muss?
  • Wieso sprechen Sie von einer "signifikanten" Veränderung beim Kokainkonsum, wenn sie das Signifikanzniveau nicht definieren?
  • Wieso sprechen Sie von einer "signifikanten" Veränderung beim Kokainkonsum, wenn Signifikanz nur erreichbar ist bei repräsentativen Zufallsauswahlen, aber niemals bei selbstgesteuerten Online-Befragungen?
  • Wieso geben sie die Stichprobengrösse mit 2621 an, obwohl sie nur den Drogenkonsum der 1362 Streetparade-Gänger untersucht haben?

13 Kommentare:

Am 12 August, 2006 10:07 meint Anonymous DB ...

Es gilt wieder einmal: Glaube nur einer Statistik, die du selber gefälscht hast.

 
Am 12 August, 2006 13:25 meint Anonymous ace_of_spades ...

Auf der Suche nach Wahrheit ist statistische Repräsentativität nicht mehr als der Stolperstein der Halbwaisen (nicht schlecht!). Jede Umfrage – und sei die Stichprobe noch so repräsentativ – basiert naturgemäss auf Aussagen von Individuen, die sich befragen lassen. Die Meinung derjenigen, die bei Anruf «Mord!» fluchen, werden wir nie wissen. Also leg Deine Erbsen beiseite, nimm den Bohley aus dem Gestell und lies das Vorwort zur ersten Auflage: «So formal wie nötig, so anschaulich wie möglich.» Die Resultate der Umfrage sind grösstenteils plausibel und werden durch andere Untersuchungen bestätigt.

 
Am 12 August, 2006 15:13 meint Blogger Der unmündige Leser ...

hallo Ace of Spadex. Kein Wunder kommt sowas dabei raus, wenn ihr nur das Vorwort des Boleys liest. Ich empfehle euch das nächste Mal die Zahlen einfach zu schätzen oder gleich zu erfinden. Vielleicht so, dass es "plausibel" klingt. Oder wieso nicht gleich die "anderen Untersuchungen" konsultieren.

 
Am 12 August, 2006 16:29 meint Anonymous ace_of_spades ...

Heiliger Strohsack! Pappmaske oder der Zorn Gottes. Aufgepasst: Vor lauter Aufregung geht hier mal ein H und dort mal ein Komma verloren. Das Korrektorat ist wohl an der Parade. Die Anrede im Pluralis Majestatis erlass ich Dir hingegen - sag einfach Sie. Es gilt wie immer: Wer nicht für mich ist, hat einen Arbeitsvertrag und weil nicht sein kann, was nicht sein darf, ist die Kritik an der Kritik immer ferngesteuert.

 
Am 12 August, 2006 17:46 meint Blogger Der unmündige Leser ...

Tja so sind wir hier halt: Paranoid über beide Ohren. Kommt da ein rummotzender Besserwissen daher, meinen wir immer sofort, dass er an der Werdstrasse einen Arbeitsvertrag besitzt. Das ist wohl unser Schicksal. Sorry, falls wir dich fälschlicherweise falsch eingeschätzt haben.

Ob du an der Werdstrasse arbeitest oder nicht, ändert aber nichts an deinem seltsamen Verständnis von empirischer Sozialforschung.

Da du aber deutlich mehr vom Korrektorat und vom fiesen, hämischen Formulieren verstehst, würden wir uns freuen, wenn du dich bei uns als Autor engagieren würdest. Melde dich bei pendlerblog@gmx.ch. Solche Leute können wir immer brauchen.

 
Am 12 August, 2006 17:49 meint Blogger Der unmündige Leser ...

Sorry, meine natürlich "Sie".

 
Am 13 August, 2006 22:31 meint Anonymous ace_of_spades ...

Oh, das treibt mir ja die Schamröte ins Gesicht. «Embrace, extend and extinguish» oder einfach nur ein unmoralisches Angebot? Dafür bin ich zu teuer. Unter uns: Es geht doch nichts über den Geruch von Napalm am Morgen, nicht?

 
Am 14 August, 2006 07:49 meint Blogger Der unmündige Leser ...

Bei mir riechts nach Gipfeli. Kein unmoralisches Angebot, sondern ein moralisches. Du scheinst eine wichtige Meinung zu haben, also solltest du sie direkt auf die Seite posten und nicht hier in die Kommentare, wo es sowieso niemand liest. Das Angebot steht pendlerblog@gmx.ch

 
Am 14 August, 2006 11:43 meint Blogger Tim der Grosse ...

"Jede Umfrage – und sei die Stichprobe noch so repräsentativ – basiert naturgemäss auf Aussagen von Individuen, die sich befragen lassen."

Vielen Dank Pik-Ass für die wertvolle Auflkärung. Wie man merkt hast du aber noch nie an einer seriösen Studie mitgearbeitet, sonst wüsstest du, dass man bei solchen immer versucht, wichtige Merkmale (Alter, Geschlecht, Einkommen, Bildung, in diesem Fall Partygänger j/n, Drogenkonsument j/n) der Befragten mittels Quoten so zu berücksichtigen, dass sie eben möglichst repräsentativ verteilt sind, also ungefähr so, wie in der Grundgesamtheit insgesamt.

Dass es dann immer noch Fehler gibt, eben zum Beispiel weil sich gewisse Leute nicht befragen lassen, ist ja klar, deshalb gibt es auch immer Fehlerquoten und Toleranzbereiche (von denen hab ich aber in obiger "Studie" nichts, aber rein gar nichts gesehen).

Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass eine Umfrage wo die Leute nach Lust und Laune mitmachen oder nicht, irgendetwas aussagt?

 
Am 14 August, 2006 20:49 meint Anonymous ace_of_spades ...

Wie erklärst Du Dir eigentlich, dass die Zücher Hochschule für Wirtschaft mit genau denselben Zahlen rumhantiert? Sitzt da etwa die Redaktion von 20 Minuten im Lehrkörper?

 
Am 14 August, 2006 21:05 meint Blogger Der unmündige Leser ...

Nein, aber im Schulkörper.

Jetzt weiss ich nicht, wie das gemeint ist, dass die Zü(r)cher Hochschule für Wirtschaft mit den genau gleichen Zahlen rumhantiert.

1. Wenn gemeints ist, dass die ZHW die Daten der 20-Minuten-Befragung für ihre Forschung verwendet, dann ist das ein guter Grund sein Studium an einer Uni zu absolvieren und nicht an einer Fachhochschule.

2. Wenn gemeint ist, dass die ZHW in einer eigenen Studie zu einem ähnlichen Resultat gekommen ist, wie die 20-Minuten-Studie, dann wäre das ein guter Grund, die ZHW-Studie zu zitieren und nicht selber irgendwelche pseudo-wissenschaftlichen Zahlen zu erheben.

 
Am 14 August, 2006 21:21 meint Anonymous Anonym ...

Also der letzte Satz hat mich auch wahnsinnig erstaunt:

Beschafft wird das Material mehrheitlich privat.

Wozu führt denn der Staat die vielen Drogenabgabezentren und öffentlichen Ecstasyhäuser wenn dann doch alle Raver sich privat eindecken...?

 
Am 15 August, 2006 12:18 meint Anonymous Anonym ...

ich sage nur: köstlich. die ergebnisse der uNfrage werden neu auf allen mediadaten von 20minuten veröffentlicht. ich kenne werbetreibende, die gerne eben diese zielgruppe von benebelten lesern ansprechen möchten. ps: gibt es dabei einen zuschlag, da der werbedruck "in seeeehhhhhr bunten farben" erzielt wird?

 

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