21 August 2006

Klaut 20 Minuten Inhalte von der Netzeitung?

Heute gelesen bei 20 Minuten (S. 18 und online):



Im Stillen hab ich für mich gedacht: "Das sind aber ziemlich heftige Anschuldigungen an die Adresse von MySpace, und dann werden sie erst noch ohne Quellenangaben vorgebracht."

Weil keine Quelle genannt ist, hab ich mich gefragt, ob die mutmassliche Virenanfälligkeit von MySpace vielleicht von einem 20-Minuten-Wissenschaftler selber aufgedeckt wurde.

Eine kleine Recherche hat mich aber schnell beruhigt: 20 Minuten hat den Artikel sehr wahrscheinlich von der kompetenten Netzeitung gecopypastet. Da steht nämlich:
"Über die Community-Seite MySpace werden Viren und Spionageprogramme verbreitet. Das berichteten amerikanische Medien am Freitag.

So würden die Computer der Besucher bereits beim Aufruf von Profilen und Mitgliederseiten mit Würmern und Viren infiziert. Die Schädlinge sollen in der Lage sein, Nutzerprofile zu ändern, Dateien zu löschen und das Surf-Verhalten der Nutzer nachzuverfolgen."

Also das exakt selbe. Mit dem Unterschied, dass bei 20 Minuten sowohl die Quelle der Information ("amerikanische Medien") als aucht auch die Quelle des Textes (Netzeitung) verschwiegen wurde.

Konsequenterweise wurde dann die im Original in indirekter Rede gehaltenen Aussagen der "amerikanischen Medien ("würden...infiziert") in einen Fact umgewandelt ("werden...infiziert").

News von jetzt irgendwo geklaut.

Nachtrag, der unmündige Leser, 15:40 Uhr:
Wie mir die Netzeitung versichert, ist der ursprüngliche Text eine Eigenleistung der Netzeitung auf Basis von unterschiedlichen US-Quellen. Zwischen 20 Minuten und Netzeitung besteht keine Übernahme-Vereinbarung. Demnach hat 20 Minuten mit grosser Wahrscheinlichkeit den Inhalt geklaut kostenlos und ohne um Erlaubnis zu fragen übernommen.

Ein anonymer Kommentarschreiber hat in unserer Kommentarliste spekuliert, dass 20 Minuten die Quellenangabe wohl absichtlich weggelassen hat, um den "geistigen Diebstahl" nicht offenlegen zu müssen (was wohl irgendwie verständlich ist).

Der Artikel ist bei 20 Minuten weiterhin online abrufbar.

12 Kommentare:

Am 21 August, 2006 10:12 meint Anonymous Anonym ...

Das Ding heisst Netzeitung

 
Am 21 August, 2006 10:15 meint Anonymous Anonym ...

Nie mehr surfe ich bei MySpace.com vorbei

 
Am 21 August, 2006 10:17 meint Blogger Der unmündige Leser ...

Anonym 1. Danke schön für den Hinweis. Hab mir auch gedacht, dass Netzzeitung irgendwie scheisse aussieht. Habs geändert.

 
Am 21 August, 2006 10:19 meint Anonymous Claudio ...

Noch ein Fehler - aucht. Und jetzt hat es nicht einmal mehr eine Quellenangabe.

 
Am 21 August, 2006 10:23 meint Blogger Der unmündige Leser ...

Aucht dir, danke für den Hinweis, Claudio!

 
Am 21 August, 2006 11:03 meint Anonymous Anonym ...

Tja, wer seine Texte selber schreibt, macht ab und an mal einen Fehler :-)

Jetzt aber mal eine inhaltliche Frage: Verstösst das nicht gegen das Urheberrecht Texte einfach 1 zu 1 zu kopieren? Vor allem, wenn die Quelle einfach weggelassen wird?

Ausserdem: So eine freche Tatsachenbehauptung ohne (wie mal vermute) entsprechende Recherchebelege in der Hinterhand zu haben, ist doch reichlich mutig. Was, wenn die Netzeitung-Meldung sich als falsch heraustellt. Dort ist immerhin der Konjunktiv gewählt, der Inidikativ könnte 20min dann noch unangenehm werden. Werde mal mit Hinweis auf die Meldung meinen myspace-support kontaktieren und um Aufklärung bitten :-)

 
Am 21 August, 2006 13:24 meint Anonymous zauberpilz ...

Laut dem snopes-board wird nicht der Computer infiziert, sondern lediglich die Session auf MySpace. Was meiner Meinung nach auch mehr Sinn macht. Ausserdem ist es höchstwahrscheinlich ein Wurm. Nicht ein Virus und ein Wurm, was sich ja schon widerspricht.

http://msgboard.snopes.com/cgi-bin/ultimatebb.cgi?ubb=get_topic;f=38;t=000747;p=0

 
Am 21 August, 2006 14:10 meint Anonymous Anonym ...

Virus & Wurm hin oder her: Der 20min-Artikel ist einfach Scheisse!

Ich habe ihn beim Lesen natürlich sofort mit dem Zitat aus der Netzeitung verglichen. Und erst dachte ich, 20min sei wirklich konsequent gewesen und hat alles nach einem Bericht der 20min-Wissenschaftsabteilung aussehen lassen.. .

Aber dann: "Die Schädlinge seien in der Lage, Nutzerprofile zu ändern, [...]".

"seien" - also ein Konjunktiv (sorry, mit den Ausdrücken kenne ich mich nicht so aus, stimmt das?)! Und dieses "seien" weist daraufhin, dass das jemand gesagt hat und ich ihn nun indirekt zitiere.

In der Netzeitung mit "sollen [...] sein" völlig korrekt, da das Ganze dort aus amerikanischen Medien kommt. Allerdings hätten die auch "seien" nehmen können (mit dem "sollen" sind sie somit noch zusätzlich vorsichtig).

Denn wenn ich es selber sage, würde es lauten: "Die Schädlinge SIND in der Lage, [...]".

Und ich dachte schon, da hätte sich wirklich einmal jemand 5min (von den 20min) Zeit genommen. War wohl nix!

 
Am 21 August, 2006 14:30 meint Blogger Mess_anger ...

Moral dieser Kommentare: Nur wer nichts tut, macht keine Fehler.

Am Besten hätte 20min wohl reines copy/paste gemacht, dann seien sie aus dem Schneider.
Oder am einfachsten einen Screenshot der Netzeitung.
Oder unter die Schlagzeile einfach nur den Link angeben. Da wären sie ganz aus dem Schneider. Alle die's interessiert könnten die Geschichte im Original nachlesen, alle anderen hätten die Schlagzeile...

 
Am 21 August, 2006 15:21 meint Anonymous Anonym ...

Ich trete den Beweis an, dass diese letzte Aussage nicht stimmt. Auch wer nichts tut, kann Fehler machen - es ist aber verdammt schwer.

Zum Fall: Genau genommen hat 20min gar nichts gemacht. Nur kopiert und das ist wohl keine Leistung im Sinne von "etwas tun". Trotzdem schafft es diese "Zeitung" auch hierbei noch Fehler zu machen. Dies rührt zugegebenermassen davon, dass 20min den geistigen Diebstahl (muss mal gesagt werden) nicht offenlegen wollte. Letzteres ist irgendwie verständlich.

Ergo: Auch wer nichts tut, kann Fehler machen. q.e.d.

 
Am 21 August, 2006 22:05 meint Blogger Stormy B. Ants ...

Naja, abgesehen davon, dass sich das 20 Minuten da mal wieder was geleistet hat (oder eben nicht), sollte die Netzeitung auch nicht gerade mit Steinen aus dem Glashaus schmeissen. Dass via MySpace sogenannte Spyware verbreitet wird, ist seit mindestens einem Monat ein Thema und wurde damals u.a. von den Technik-Portalen ZDNet und Heise aufgegriffen. Heise verweist übrigens vorbildlich auf die Quelle, nämlich den Security-Blog der Washington Post, ZDNet bezieht sich im Untertitel auf Nachrichtenagentur und Presseverteiler (sic!)Pressetext. Und was sehen wir da? Steht ziemlich dasselbe drin. Aber eben: schon vor einem Monat. Tz.

 
Am 24 August, 2006 23:58 meint Anonymous Anonym ...

Wer hat hier von wem geklaut?

http://www.viply.de/?p=602
http://www.20min.ch/unterhaltung/people/story/25871592

 

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