14 August 2006

Was ist gemeint?

«Was ich als nächstes vorschlage, ist – ich weiß, daß Sie wieder lachen werden, aber ich werde Ihnen beweisen, daß ich recht habe –: Kein Artikel in dem Blatte darf über zwei Zoll Länge haben, und jeder Zoll muß in mindestens zwei Absätze unterteilt werden. (…) ich spreche in vollem Ernst. Ich will Ihnen mein Prinzip erklären. Das Blatt soll für die Viertelgebildeten bestimmt sein, das heißt für jene große neue Generation, die die heutigen Schulen hervorbringen, für jene jungen Männer und Frauen, die wohl lesen können, aber zu jeder länger anhaltenden Aufmerksamkeit unfähig sind. Leute dieser Art brauchen eine Beschäftigung in der Eisenbahn, im Omnibus oder in der Trambahn. Sie wollen das leichteste, luftigste Geplauder – ein bißchen Erzählung, ein bißchen Beschreibung, ein bißchen Skandal, ein bißchen Spaß, ein bißchen Statistik, ein bißchen Narretei. Habe ich nicht recht? Alles muß kurz sein, höchstens zwei Zoll lang, ihre Aufmerksamkeit läßt sich nicht länger als zwei Zoll fesseln. Geplauder ist für sie noch zu solid, sie wollen Schnickschnack.»
Nein, nicht 20 Minuten, sondern eine Zeitschrift namens Chit-Chat aus eineeiner 115 Jahre alten Satire von George Gissing namens Zeilengeld, erstmals erschienen 1891. Gefunden bei der Berner Gazette.

16 Kommentare:

Am 14 August, 2006 21:14 meint Anonymous Anonym ...

Das tolle ist ja, dass ALLE das 20 Minuten lesen: Die achtel-, die viertel-, die halb-, die dreiviertel- und die ganz Gebildeten. Und bis auf ein paar Satiriker 115 Jahre nach Gissing scheint sich niemand daran zu stören.

 
Am 14 August, 2006 21:40 meint Anonymous Anonym ...

Tönt nach der Rubrik "20 Sekunden"

 
Am 15 August, 2006 10:28 meint Anonymous Anonym ...

Das lustige ist, dass ich die Kolumne nicht zu Ende gelesen habe. Soviel zu meiner Aufmerksamkeitsspanne. Äh worum gings hier nochmal?

 
Am 15 August, 2006 10:33 meint Anonymous Anonym ...

Ahja, Apropos Haarspalterei: "aus eine 115 Jahre alten Satire"

und: "Gefunden bei Berner Gazette"

Das könnt ihr aber besser.

 
Am 15 August, 2006 10:50 meint Blogger Der unmündige Leser ...

Thx. Ich war einfach zu faul, das nochmals durchzulesen. Zu geringe Aufmerksamkeitsspanne.

 
Am 15 August, 2006 11:00 meint Anonymous Anonym ...

Aber eben: es funktioniert. Und wie. Eine Zeitung gemacht für die Menschen unserer Zeit - unkonzentriert, vergesslich und entertainment orientiert.

 
Am 15 August, 2006 12:39 meint Anonymous Nick ...

Aus uns unbekannten Gründen ist die oben zitierte Berner Gazette zur Zeit leider nicht erreichbar. Wir bitten um Entschuldigung.

 
Am 15 August, 2006 12:39 meint Anonymous frenetic ...

Dass viele Medien heute "wie für uns gemacht" sind, erstaunt mich wenig ob der Tatsache, dass sie uns zu dem gemacht haben, was wir heute sind. Was genau das nun ist, überlasse ich lieber den hauptberuflichen Spekulanten.

 
Am 15 August, 2006 14:19 meint Blogger Tim der Grosse ...

"Das tolle ist ja, dass ALLE das 20 Minuten lesen: Die achtel-, die viertel-, die halb-, die dreiviertel- und die ganz Gebildeten."

Stimmt, drum hat 20 Minuten ja auch 7.2 Millionen (-? Millionen Kinder) Leser. Ich persönlich würde das Blatt ehrlich gesagt nicht beachten, wenn es mir keinen Spass machen würde, danach im Pendlerblog darüber herzuziehen.

Und: ich kenne VIELE Leute die 20 Minuten NICHT lesen, vielleicht solltest du nicht zu viel aus deinem Freundeskreis ableiten...

 
Am 15 August, 2006 15:16 meint Anonymous der endliche Nichtleser ...

Ich lese gerne den Pendlerblog, aber kaum das 20minuten. Das liegt daran, dass "20minuten" ein ganz schlechter Zeitungstitel ist. Klingt für mich wie "Tages-Anzeiger" oder "Wall Street Journal".

 
Am 15 August, 2006 15:27 meint Blogger Misanthrop ...

endlicher nichtleser, Du unterschätzt 20Minuten gewaltig! 20Minuten gehört zu den 10 besten Tagespublikationen im Tabloidformat der gesamten Deutschschweiz! Ehrlich!

 
Am 15 August, 2006 16:19 meint Anonymous Anonym ...

hm. hier werden die satiriker satiriert, und sie finden es nicht lustig und wehren sich mit haarspaltereien. lustig.

 
Am 15 August, 2006 16:26 meint Blogger Misanthrop ...

1. Wer sind die satirierten Satiriker? Die Jungs von 20Min oder die Pendolinos?

2. Gibt es das Wort "satirieren" wirklich oder ist das so ein Trick um beim Scrabble zu bescheissen?

3. Findest Du ich sollte meine Beitrage in Zukunft nach A), B) und C) aufteilen oder weiter mit 1. 2. und 3. ?

Bitte sei Ehrlich!

 
Am 15 August, 2006 17:27 meint Anonymous Anonym ...

1. gegenfrage: muss ich das wirklich beantworten? hier die lösung, allerdings leicht gespiegelt, um erneutes nachdenken zu ermöglichen: hcilrütan sonilodnep eid

2.) nein, aber auf englisch gibt es das. to satirize. und das wort fehlt in der deutschen sprache eindeutig,

C.) also das ist ja egal. wenn ich ein misanthrop wäre, würde ich auf eine aufteilung grundsätzlich verzichten, es ist dann viel unmenschlicher für den leser.

 
Am 16 August, 2006 13:24 meint Anonymous Anonym ...

@tim der grosse

die schweiz hat immer noch mindestens 7,5 mio. einwohner.

 
Am 19 August, 2006 12:41 meint Blogger Tim der Grosse ...

danke für die aufklärung, ich wusste dass ich mich hiermit auf glatteis begeben habe, so eine grobe schätzung ohne recherche (fast 20minuten niveau ;p). anyway, es gibt sicher 300'000 die gar nicht (deutsch o. französisch) lesen können...

 

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