15 August 2006

Vom Grapschen und von Nahmen

Heute, als ich die Seite 2 von 20 Minuten aufgeschlagen habe, ist mir fast die Luft weggeblieben! Was steht da fettgedruckt in einer Überschrift? "Grapscher an der Main-Station"!

Ich war schockiert! Weniger wegen der Tatsache, dass es im Zeitalter sexueller Freizügigkeit noch Leute gibt, die anderen Leuten ungefragt an die Wäsche gehen (Idioten gibt es immer), als wegen der wiedermal doch sehr eigenwilligen Rechtschreibung meines Lieblingsheftchens.

Dachte ich! Aber bevor ich meine Tirade (s. nächster Abschnitt) veröffentlicht habe, hab ich dann noch schnell den Duden online konsultiert und siehe da: man darf tatsächlich schreiben "grapschen". Urrrgh. Wuääääk. Also ist ja der folgende (zunächst erfundene) Gedankengang doch richtig:

Da hat sich der zuständige Redaktor/die zuständige Redaktorin wohl gedacht: Ah, "grapschen", das kommt bestimmt von "grape" (englisch für "Traube"), also einer Frucht. Denn der Grapscher denkt sich vor dem Grapschen: Mmh, was für ein hübsches, junges Früchtchen - und welch Apfelpo - ob da wohl Orangenhaut dran ist? Und schon befindet sich die Hand des Früchtenarrs auf dem fremden Hinterteil. (Im medizinischen Jargon spricht man deshalb auch von Grapomanie bzw. Fruchtbesessenheit.)

In Zukunft empfehle ich der Redaktion, weniger etymologische Gedankengänge anzustellen und stattdessen einfach aus der Pressemeldung abzuschreiben.In Zukunft empfehle ich mir, den Blick zu lesen, dort steht nämlich grabschen so, dass ich nicht würgen muss beim Lesen.


P.S. Schade ist nicht mehr heute-Projektwoche. Im heute von heute ist im Interview mit DJ Antoine die Rede von "nahmhaften" Clubs und Partylabels. Es nähme mich nä(h)mlich Wunder welche Nahmen hier gemeint sind.(Sind eigentlich diese Schreiberlinge so jämmerlich bezahlt oder gibt es tatsächlich so wenige Leute, die der deutschen Sprache mächtig sind?)

Euer Haahrspalter

5 Kommentare:

Am 15 August, 2006 19:24 meint Anonymous Anonym ...

Das ist ja fast so schlimm wie im Blick, wo sie regelmässig "Sex-Grüsel" verwenden, mein schweizerisches Unwort des Jahrhunderts.

 
Am 15 August, 2006 20:58 meint Anonymous Anonym ...

der neue hier ist aber ein komischer

 
Am 15 August, 2006 21:35 meint Blogger Ismael07 ...

Immer noch besser als der leidige "Unhold", der in den 80iger-Jahren jedes zweite Blick-Plakätchen zierte

 
Am 16 August, 2006 09:01 meint Anonymous JB ...

Duden:

Grab|scher, der; -s, - vgl. Grapscher

Grap|scher, Grab|scher, der; -s, - (abwertend für männliche Person, die eine Frau gegen ihren Willen sexuell berührt)

© 2000 Dudenverlag

;-)

 
Am 19 August, 2006 12:45 meint Blogger Tim der Grosse ...

danke jb, aber das hab ich ja im beitrag bereits erwähnt. da müsst ich wohl meine beschwerde beim duden verlag vorbringen. da gäbs aber noch so einiges anderes, was spätestens seit der rechtschreibreform(reform) noch anzubringen wäre. ich warte noch, um dann eine sammelbeschwerde zu machen... (wer noch weitere unworte kennt, darf sie gerne hier posten)

 

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