29 August 2005

Das Fliessband der Traumfabrik

Haben Sie sich auch schon gefragt, wieso manchmal beschissene Kinofilme im 20 Minuten so gut abschneiden?

Manche sagen, es liegt an der Beschwerde beim Presserat vom 20. Juli 2004. Damals hat sich ein Filmverleiher beklagt, dass 20-Minuten-Autor B. B. einen Film negativ bewertet hat. Das kann's aber nicht sein. Denn die Beschwerde wurde vom Presserat zurecht als unbegründet zurückgewiesen mit dem Verweis auf die Kommentarfreiheit des Journalisten.

Andere sagen, es liegt an der engen Verknüpfung der Werbung mit den redaktionellen Inhalten. Aber dann merken wir, dass beispielsweise der Film "Must love Dogs" von 20 Minuten total verrissen wurde, obwohl am Freitag ein Inserat davon erschienen ist. Das kann's also auch nicht sein.

Ein weiterer Vorschlag erreicht uns heute per Mail von einem anonymen Pendlerblog-Leser. Er sagt:

Seit B. B. mit Bono in Manhattan abhängt (Link ergänzt durch Pendlerblog), hat ja bekanntlich M. M. die Kinoberichterstattung in 20 Minuten übernommen. Nach dem Job als Chefredaktor bei Close-Up ist das seine zweite Stelle bei einem beliebten Printerzeugnis, das gratis aufliegt.

M., der über Kinofilme so unkritisch schreibt wie D. L. über Saab Sport Combis (Link ergänzt durch Pendlerblog) macht, sich die Arbeit immer besonders leicht. [...] Für euch habe ich nun den nächsten Fall von Arbeitserleichterung.

Wenn die "Schweizer Filmwelle" anrollt ist M. schon gewappnet.
http://www.20min.ch/tools/suchen/story/11839499
(Publiziert am 26. August 2005 11:16 )

Er kennt sich aber auch gut aus in der "Schwiizer Szenä"!
http://www.close-up.ch/bilder/cup905.pdf
(Editorial auf Seite 2 des pdf-Dokuments)

Der fast identische Text im 20 Minuten ist ein paar Tage früher schon als Editorial im Close-Up No.96 vom September erschienen. Im 20-Minuten-Artikel wurde neben dem Titel einfach "pfiffige Familienkomödie" durch "brilliante Familienkomödie" ersetzt. Damit man es nicht sofort bemerkt. Eine kurze Aussicht auf die Erfolgschancen des mit diesen Worten beschriebenen Films ("Mein Name ist Eugen") ergänzt den Artikel zudem. Kassiert da einer doppeltes Gehalt für denselben Brunz?

Die 20-Minuten-Kinoabteilung scheint sich manchmal tatsächlich die Arbeit etwas leicht zu machen, was auch der Post beim Medienspiegel beweist

2 Kommentare:

Am 29 August, 2005 23:46 meint Anonymous Der dicke Onkel ...

Ich glaub der anonyme Flüsterer hat etwas ganz Grundlegendes nicht kapiert: Das Abschreiben und Mehrfachverwerten von Pressetexten, Agenturmeldungen und sonstigem Geschriebenen gehört zur Corporate Identity der "20 Minuten"...

 
Am 30 August, 2005 11:45 meint Blogger Der unmündige Leser ...

Hallo dicker Onkel. Du hast recht: Der anonyme Flüsterer hat das tatsächlich nicht kapiert. Aber wie soll er auch. Weder im Impressum noch in den fehlenden journalistischen Leitlinien erfährt man etwas über diese Corporate Identity, welche das Abschreiben ohne Quellennennung fördert. Ich bin überzeugt, dass dies aber die meisten anderen der überdurchschnittlich intelligenten 20-Minuten-Leserinnen und -Leser kapiert haben und sich den damit verbundenen Gefahren vollständig bewusst sind.

 

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