03 Oktober 2005

Fonds-Special

Immer wenn der Fonds-Special dem 20 Minuten beiliegt, erlebe ich Geburtstag und Weihnachten gleichzeitig. Als Freizeit-Anlegeprofi und Altersvorsorge-Amateur freue ich mich immer wieder über unabhängige Tipps, wie ich meine mit dem Pendlerblog verdienten Millionen erfolgreich anlegen kann.

Das Fonds-Special ist schwierig als solches zu erkennen. Es ist genau gleich aufgemacht wie 20 Minuten. Es verwendet die selben Schriften, das selbe Layout, das selbe Impressum und sogar das selbe Titelblatt. Heute hab ich es aber glücklicherweise erkannt.

Am nützlichsten finde ich die Tipps aus dem Interview mit Beat Wittmann (S. 35), Leiter Finanzprodukte und Mitglied der Geschäftsleitung der Clariden Bank. Er empfiehlt Anlagen in die schnell wachsenden osteuropäischen Aktienmärkten.

Den Kontakt zur Clariden Bank habe ich glücklicherweise zwei Seiten weiter hinten gefunden. Zufälligerweise gibt es dort ein Inserat seines Unternehmen, das für Eastern Europe Equity Funds wirbt.

Ebenfalls wichtig beim Investieren: Möglichst niedrige Kosten. Man soll die Depotgebühren zwischen den verschiedenen Anbietern vergleichen. Dazu rät Jürg Bucher in einem Interview (S. 38). Jürg Bucher ist Leiter der PostFinance.

Wie es der Zufall will hat es auf Seite 35 ein Inserat der PostFinance. Und siehe da: Die PostFinance hat Anlagefonds ohne Depotgebühren. Nichts wie hin.

Ich hab mich schon oft gefragt, wie ich mein Geld anlegen soll für bestimmte Verwendungszwecke. Zum Beispiel hat meine Villa dringend eine Renovation nötig und meine Kinder sind schon bald in Ausbildung. René Charrière, Leiter Anlage und Vorsorge Privatkunden bei Swisscanto, empfiehlt im Interview (S. 33) so genannte Life Cycle Fonds.

Ja gibt's denn sowas. Gleich noch ein Zufall. Der Mediaplaner der Swisscanto hat genau heute nur ein Seite weiter hinten ein Inserat für solche Produkte geschalten.

Langsam mag ich nicht mehr an Zufall glauben. Ich beginne an der Ratgeber-Qualität und der Unabhängigkeit des 20-Minuten-Fonds-Specials zu zweifeln. Kommen da etwa nur Leute zur Sprache, die auch ein Inserat gekauft haben?

Könnte sein: 2 Seiten nach dem Interview mit Holger Hubert folgt ein Inserat seines Arbeitgebers Swiss Life.


ABN Amro, für welche der interviewte (S. 34) Oliver Disler arbeitet, hat sogar eine ganze Seite gekauft (S. 36).




Aber Martin Schlatter von der renommierten Bank Leu hat dies nicht nötig?

Doch. Gleich neben dem Artikel über seine überdurchschnittlichen Analyse-Fähigkeiten wirbt die Bank Leu.

Auch Sven Rump von DWS durfte dank dem Inseratekauf der Zeitung ein Interview geben.


Liebes 20 Minuten. Es gibt auch raffiniertere Wege, ihre Leser zu verarschen.

7 Kommentare:

Am 03 Oktober, 2005 16:54 meint Anonymous Anonym ...

haha, das ist ja wirklich dreist. Die unverfrorenheit und offen zur schau getragene käuflichkeit der 20min redaktion überrascht mich immer wieder aufs neue.

Ich möchte mich an dieser stelle bei den machern des pendlerblogs für ihre erfrischenden einblicke in die journalistischen und redaktionellen tiefflüge von 20 min. bedanken.

Dieses Blog ist inzwischen zur alltäglichen lektüre geworden.

 
Am 03 Oktober, 2005 17:10 meint Anonymous Anonym ...

Hehe! Einfach gut!

 
Am 03 Oktober, 2005 18:48 meint Blogger Feriefrisur ...

Damit wäre auch folgendes, in einschlägigen Fachzeitschriften häufig auftretendes Phänomen erkärt:

"Redaktoren-Stelle zu besetzen. Quereinsteiger erwünscht. Marketing-Ausbildung bevorzugt!"

 
Am 03 Oktober, 2005 20:19 meint Anonymous das silberbo ...

gääähn!

 
Am 03 Oktober, 2005 22:00 meint Blogger Hund Basil ...

Gerade heute wollte ich Geld anlegen, doch die Hühner vom 20 Minuten haben mir den ganzen Spass geraubt

 
Am 10 Oktober, 2005 20:03 meint Anonymous Anonym ...

Ihr müsst verstehen, dass dies vollkommen legitim ist.
das ist sicherlich keine "Schleichwerbung..".
Die Firmen können das legal kaufen, einen bezahlten Artikel..

 
Am 20 November, 2009 16:06 meint Blogger HUGO! ...

Ein mühevoll gestalteter Eintrag - Kompliment die Zeitungen einzuscannen! Das meint Frauchen auch.

Es grüßt:
Der hungrige Hugo!

 

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